05.18.09
unsterbliche Qualle
Sex als Quell ewiger Jugend? Wär doch was. „Stell dir vor, wenn du dich nach dem ersten Mal Sex ins vorpubertäre Stadium zurückentwickeln würdest. Du wärst praktisch unsterblich, solange du es schaffst, zu punkten, wenn du wieder geschlechtsreif geworden bist.“ Wär doch klasse, zum Beispiel für Silvio Berlusconi (72). Er müsste bei diesem Vorgang noch nicht mal sein Verhalten ändern.
Der so beginnende Artikel auf BBC (im Original englisch) beschreibt eine Quallenart, die diese Eigenart besitzt und damit quasi unsterblich ist. Einzige Gefahr sind Meeresschildkröten, die diese Quallen auf ihrem Speisezettel führen, und „neugierige Forscher“. Letztere sind natürlich darauf aus, das Langlebigkeitsgen zu isolieren. Dieses wäre dann nicht nur ein potentieller Jungbrunnen, sondern für die Entdecker vor allem auch eine unerschöpfliche Goldgrube.

So sieht das putzige Tierchen aus
Wie der Autor treffend schreibt, würden dazu die Verkäufe von Akne-Mitteln in die Höhe schiessen, wenn eine Anwendung für den Menschen gelänge, „und die Weltwirtschaft wäre allein durch den Anstieg der iPod-Verkäufe wieder auf gutem Weg.“
Aber vielleicht sollten wir doch eher versuchen, das Beste aus dem einen Leben zu machen, das uns geschenkt ist.
05.13.09
Johannes
Am übernächsten Sonntag habe ich mir eine Predigt eingebrockt. Mache ich an sich gar nicht ungern. Aber diesmal ist der Bibeltext (1. Johannes 4/5) äusserst sperrig, obwohl er sich über die Liebe dreht. Ich komme nicht so recht vom Fleck. So schreibt man einfach nicht, wie es dieser Johannes tat: mit einer einfachen Schwarz-Weiss-Brille*, mit logischen Zirkelschlüssen und nicht belegten Behauptungen, völlig unmodern ist das. Und überhaupt: Was gibt es schon, was über die (christliche) Liebe noch nicht gesagt wurde? Und wann beginnen wir damit, sie zu praktizieren?
*“Da sind die Guten, die Wahr-Redner, die Gläubigen, und dort die böse Welt, die Lügner.“
05.12.09
Benedetto auf Reisen
Der Papst ist wieder einmal auf einer viel beachteten Reise in den Nahen Osten. Reformierter Gedankensprung: Wer ist eigentlich der höchste Reformierte? Das zu bestimmen ist nicht ganz einfach. Das höchste Gremium der Reformierten ist der Reformierte Weltbund (RWB), der Kirchen in über 100 Ländern mit rund 200 Mio. Gläubigen repräsentiert. Wie es sich in reformierter Umgebung gehört, ist der Weltbund basisdemokratisch organisiert, die Delegierten der Generalversammlung fassen wichtige Beschlüsse. Das ist vermutlich eine Stärke in Sachen Entscheidungsfindung, aber medientechnisch auch ein Problem. Daneben und dazwischen gibt es noch das Exekutivkomitee. Ich nehme mal an, dass dessen Präsident, Dr. Clifton Kirkpatrick, den höchsten Posten der reformierten Welt bekleidet, so klar geht das aus der Website nicht hervor. Mich interessierte, was eine vergleichende Suche in unserem kollektiven Bewusstsein (Google) ergibt. Hier das Resultat: 13′600 Treffer für Herrn Kirkpatrick, 18′320′000 für Benedikt oder Benedetto oder Benedict XVI., der damit mehr als 1000mal öfter vorkommt. Kirkpatrick hat immerhin auch 136 Fans auf Facebook (Stand 11. Mai).
Ein Beleg für das, was wir alle wissen: Die Reformierten sind in der Öffentlichkeit praktisch nicht präsent. Fast gleich sieht die Situation nämlich in den Landes- und Kantonalkirchen aus. Der Journalist Urs Meier schrieb im NZZ Folio 6/01 über die „Repräsentanten“ der Reformierten: „Das sind demokratisch gewählte Amtspersonen wie in der Politik, und sie denken, reden und verhalten sich ein wenig wie Regierungs- und Bundesräte, nämlich mit Rücksicht auf die Rechenschaft, die sie ihren kirchlichen Parlamenten schuldig sind. Sie äussern sich umsichtig, sind so repräsentativ, wie bei den Reformierten eben möglich, und – bedingt durch ihre Funktion – meist ein bisschen langweilig. Das ist nicht, was die Medien sich wünschen.“
Der Vorschlag, in der Schweiz wenigstens einen Bischof zu wählen, schaffte es nur zum Aprilscherz in der Reformierten Presse. Man mag also den Katholiken vorwerfen, sie hätten veraltete Strukturen, die des 21. Jahrhunderts unwürdig seien, doch punkto medialer Wirkung haben sie deutlich die Nase vorn.
Aber zurück zum Papst. Der gute Mann wirkt ja manchmal ein wenig schusselig im Umgang mit den Medien. Immer wieder unterlaufen ihm böse Ausrutscher. Dabei finde ich aber bemerkenswert, dass Benedikt XVI zwar immer wieder schlaue, bedenkenswerte Dinge sagt (z.B. seine Reden in Afrika – siehe Post – oder die Enzyklika Spe Salvi), diese aber kaum bemerkt oder bestenfalls kurz gewürdigt werden, oder einfacher gesagt: Es interessiert kein Schwein. (Nein, das ist keine Pointe).
Tritt er aber mal sprechenderweise in ein Fettnäpfchen, empört sich die ganze Welt, und der Bischof von Rom erscheint auf unzähligen Titelseiten. Ist vieleicht Benedikt XVI. gar kein naiver alter Mann, sondern vielmehr ein ausgefuchster Medienprofi?