06.09.09
leitä
Dass die Fähigkeit zu sprechen vom Menschen mühsam erworben werden muss, erlebe ich zur Zeit an unserem Sohn (21 Monate). Wobei „mühsam“ nicht ganz das treffende Adjektiv ist. Zwar schien es mir längere Zeit, er mache kaum Fortschritte, doch jetzt geht’s ziemlich schnell, und es macht ihm offensichtlich grossen Spass, Wörter zu formen und Dinge auch sprachlich „begreifen“ zu können. Unter anderem lassen sich die Befehle an die Eltern mit wachsendem Wortschatz immer besser ausdrücken… Und für uns ist es ganz einfach süss, ihm zuzuhören, wie er mit grossem Eifer Tiere, Fahrzeuge, Lebensmittel und Gesichtsteile bezeichnet.
Hier ein paar Müsterchen:
bitteli = ich möchte noch ein bisschen / es hat noch ein bisschen
taggock = Traktor
pitta palä = Schiffe fahren
leitä = trinken (wie zum Geier ist er bloss auf dieses Wort gekommen?)
Allenfalls abends, wenn alle etwas müde werden, kann der unablässige Redeschwall schon mal ein bisschen anstrengend werden. Aber das ist selten.
05.19.09
Kulinarischer Streifzug
Cool! Endlich mal wieder Zeit für einen zweckfreien Stadtbummel nach Feierabend! Die Freude wurde mir ein klein wenig vermiest, als ich mich zu einem Spontankauf eines gewissen Buches entschloss und in der Buchhandlung zusehen musste, wie mir jemand just das begehrte Buch vor der Nase wegschnappte. Das glaubt man ja nicht! Da stehen x Tausende Bücher herum und warten auf Käufer, und dieser Typ, dieser Angeber, hat es auf genau dasselbe Exemplar abgesehen wie ich! Praktisch, dass gleich gegenüber eine zweite Buchhandlung befindet, die zu einem Zürcher Konzern gehört. Als echter Stadtberner hätte ich vielleicht einige Skrupel gehabt, dort einzukaufen. Aber da ich ein Immigrant aus einem anderen Landesteil bin, sah ich kein Problem. Und fand tatsächlich das heissbegehrte Buch – einen historischen Roman von Bernard Cornwell – drei Minuten (!) vor Ladenschluss.
Gutgelaunt spazierte ich weiter in die Berner Altstadt hinein und wollte mir an einem der zahlreichen Take-aways etwas zu essen besorgen. Bis ich dann feststellte, dass die gar nicht so zahlreich sind. Ich fand mich schon fast mit dem Gedanken ab, bei McDonald’s meinen Hunger zu stillen, obzwar wenig begeistert, da sah ich das rettende Schild: „Kappan Take-away – Mediteranische Spezialitäten“. In einer einsamen Gasse fand ich das zugehörige Lokal und bestellte beim einsamen, aber freundlichen Chefkoch einen „Schisch“-Kebap, einen Poulet-Spiess im Fladenbrot. Das Teil war dann leider nicht ganz so wohlschmeckend, wie ich es aus Syrien in Erinnerung hatte, die Würzmischung etwas gar konventionell und das Verhältnis Salat-Fleisch-Sauce suboptimal. Aber immerhin, es machte satt. Zur Auswahl standen auch z.B. Frikadellen – bitte? Gibt’s das in der Schweiz auch? Und was ist daran so „mediteranisch“? – und zum Trinken Cola, Sprite etc. oder auch ein „Heiniken“-Bier.
Das Bier sparte ich mir allerdings für zuhause auf, den Pouletspiess verzehrte ich unter den wachsamen Augen von Rudolf von Erlach, dem Held der Schlacht von Laupen (1339). Wobei mir schien, dass er etwas missbilligend dreinblickte. Wahrscheinlich hätte er es lieber gesehen, wenn ich eine Berner Rösti verzehrt hätte. In diesem Moment war ich froh, dass die vier Bären zu seinen Füssen auch nur aus Bronze sind, wie er selbst.