05.27.09
Stilblüten
Seit einigen Tagen herrscht bei mir geistige Windstille. Ein geschätzter Dozent sagte einst zu uns: „Wem nichts auffällt, dem fällt nichts ein.“ So isses!
Als Ersatz habe ich hier ein paar hübsche Stilbülten zusammengetragen:
aus dem Bürgerforum des Bundesamtes für Migration:
Hier müsse die Eltern – auch wenn es schwierig ist – besorgt sein, dass die Kinder mindesten Schriftdeutsch im Kindergarten sprechen können.
… wenn sie es denn schon selber nicht beherrschen, sollen es doch ihre Kinder einst besser haben.
Mittelland-Zeitung vom 26. Mai 2009
Was ist los mit den Schweizern: Warum schaffen sie es nicht, die Top Jobs im eigenen Land zu ergattern? Immerhin verfügt die Schweiz um weltweit geachtete Universitäten und Hochschulen.
…immerhin macht sich der Autor über einen gepflegten Schreibstil verdient.
User-Kommentar auf tagesschau.sf.tv
-jäh -
ein Wort mit 3 Buchstaben, das Wort kurz und bündig vieles ausdrücken kann, in dem Sinne sehr Ausdrucksstark, in schrecklichen Dimensionen mehr ist, als dass ich es gerne für etwas humorvolles verwende.
…endlich wagt es jemand, sich der Fesseln von Sinn, Logik und Satzbau gänzlich zu entledigen.
und vom selben Autor eine weitere Kostprobe (a.a.O.):
Xx ist jäh an die Grenzen seines Auffassungsvermögen gestossen, sein Verstand ist jäh gedrosselt und ist nicht mal mehr die einer Drossel.
derselbe Autor zu einem anderen Beitrag (tagesschau.sf.tv)
man grübelt und wird müde.
Wenn die Betroffenen stets Besoffenen zu merken beginnen, sie auf Pfaden mit viel unüblichen von Alkohol durch schwängerten Schwaden, dahin schwanken, so ist Chance gross, beinahe gesühnt und unverblümt sagen zu können: „Um aufzuhören, musste ich vom hohen Ross herunter steigen!“ Man muss nicht Alkoholiker sein, um seine `hohle Birre` zu nahe an der Sonne zu haben also über den Schwaden.
Wieder und wieder beglückt uns dieser User mit seiner kreativen Schreibe. Man liest und wird müde.
05.25.09
Ankommen
Letzten Samstag nahm ich an einem Teil des jährlichen Strategie- und Planungswochenendes der Bewegung ChristNet teil (ChristNet engagiert sich innerhalb der evangelikalen Landschaft in der Schweiz für „mehr Nächstenliebe in Politik und Gesellschaft“). Das tat gut! Der Veranstaltungsort war in Montmirail, knapp ennet der französischen Sprachgrenze. Nun weiss ich nicht, ob das reine Einbildung ist, aber kaum befinde ich mich jenseits des „Röschtigrabens“, meine ich jeweils wahrzunehmen, wie die Atmosphäre entspannter und offener wird. Ich kann richtig durchatmen. Interessant, weil ich sonst wirklich nicht der „gspürige“ Typ bin.
Ganz toll war, wie gut ich innerhalb dieses harten Kerns der Bewegung aufgenommen wurde, ohne dass ich einen namhaften Beitrag geleistet hätte. Es passiert nicht häufig, dass man in einer Gruppe ausserhalb des engsten Freundeskreises so unkompliziert und offen aufgenommen wird, wenn man ein Intro-Typ ist. Umso schöner ist es, wenn es einem doch einmal widerfährt. Überdies ist es wirklich nicht selbstverständlich, dass die Leitung einer Organisation – wie hier der Fall – weitere Kreise zur Mitsprache einlädt, wenn zentrale Strategiefragen entschieden werden.
Liebes ChristNet-Leitungsteam, ich wünsche Euch viel Power, kreative Einfälle und gutes Gelingen fürs Umsetzen Eurer tollen Ideen.
05.19.09
Kulinarischer Streifzug
Cool! Endlich mal wieder Zeit für einen zweckfreien Stadtbummel nach Feierabend! Die Freude wurde mir ein klein wenig vermiest, als ich mich zu einem Spontankauf eines gewissen Buches entschloss und in der Buchhandlung zusehen musste, wie mir jemand just das begehrte Buch vor der Nase wegschnappte. Das glaubt man ja nicht! Da stehen x Tausende Bücher herum und warten auf Käufer, und dieser Typ, dieser Angeber, hat es auf genau dasselbe Exemplar abgesehen wie ich! Praktisch, dass gleich gegenüber eine zweite Buchhandlung befindet, die zu einem Zürcher Konzern gehört. Als echter Stadtberner hätte ich vielleicht einige Skrupel gehabt, dort einzukaufen. Aber da ich ein Immigrant aus einem anderen Landesteil bin, sah ich kein Problem. Und fand tatsächlich das heissbegehrte Buch – einen historischen Roman von Bernard Cornwell – drei Minuten (!) vor Ladenschluss.
Gutgelaunt spazierte ich weiter in die Berner Altstadt hinein und wollte mir an einem der zahlreichen Take-aways etwas zu essen besorgen. Bis ich dann feststellte, dass die gar nicht so zahlreich sind. Ich fand mich schon fast mit dem Gedanken ab, bei McDonald’s meinen Hunger zu stillen, obzwar wenig begeistert, da sah ich das rettende Schild: „Kappan Take-away – Mediteranische Spezialitäten“. In einer einsamen Gasse fand ich das zugehörige Lokal und bestellte beim einsamen, aber freundlichen Chefkoch einen „Schisch“-Kebap, einen Poulet-Spiess im Fladenbrot. Das Teil war dann leider nicht ganz so wohlschmeckend, wie ich es aus Syrien in Erinnerung hatte, die Würzmischung etwas gar konventionell und das Verhältnis Salat-Fleisch-Sauce suboptimal. Aber immerhin, es machte satt. Zur Auswahl standen auch z.B. Frikadellen – bitte? Gibt’s das in der Schweiz auch? Und was ist daran so „mediteranisch“? – und zum Trinken Cola, Sprite etc. oder auch ein „Heiniken“-Bier.
Das Bier sparte ich mir allerdings für zuhause auf, den Pouletspiess verzehrte ich unter den wachsamen Augen von Rudolf von Erlach, dem Held der Schlacht von Laupen (1339). Wobei mir schien, dass er etwas missbilligend dreinblickte. Wahrscheinlich hätte er es lieber gesehen, wenn ich eine Berner Rösti verzehrt hätte. In diesem Moment war ich froh, dass die vier Bären zu seinen Füssen auch nur aus Bronze sind, wie er selbst.
05.15.09
Yuppie!
Heute war ich in der Mittagspause in der Stadt, um mich ein wenig zu entspannen (das gelingt mir am besten im Grünen oder in einer Buchhandlung). Beim Bahnhof stieg ich hinter einer kleinen Gruppe von Managern oder Bankern die Treppe hoch. Jedenfalls trugen sie feine Anzüge und Lackschuhe und sahen aus, als ob sie gerade die Entwicklung an den Finanzmärkten diskutierten. Oben trafen sie sich mit einer Clique von Teenager-Girls.
Etwas erstaunt schaute ich genauer hin und sah, dass die „Banker“ im selben Alter waren und sich hier offenbar mit ihren Kolleginnen verabredet hatten. Sie waren noch etwas milchgesichtig, mit einem künstlichen Glitzerstein im Ohr, und man konnte sie sich durchaus auch mit Cap und Baggy-Pants vorstellen.
Als ich aufs Tram wartete, begegnete ich einem weiteren Nachwuchs-Yuppie, der über den Gehsteig eilte und sich dabei an sein Aktenköfferchen klammerte.
Zugegeben, da spielen Vorurteile, wenn ich diese Jungs gleich als „Yuppies“ und „Banker“ klassifiziere, aber die Assoziation ist naheliegend, oder? Und obschon ich jedem zugestehen will, den Beruf seiner Wahl auszuüben, berührte mich dieser Anblick irgendwie seltsam.
05.05.09
Eishockey-WM, 12. Tag
Ja, sie sind draussen *ärger*, obwohl sie das Spiel sogar gewonnen haben. Mit einem herrlichen Treffer von Roman Wick. Nur leider fiel das Tor 14 Sekunden zu spät, nach der regulären Spielzeit, die 3:3 endete. Ergo nur 2 Punkte, einer zu wenig, und ein „Sieg“, der mehr schmerzt als manche Niederlage. Sieht so aus, als brächen nun für den Trainer, Herrn Krüger, ungemütliche Tage an. Und ich Depp konnte es nicht lassen und habe kurz vor Ende des Spiels nochmals zugeschaltet (siehe letzten Beitrag). Es rächte sich bitter. In der Nacht lag und sass ich über fünf Stunden wach, bis halb fünf, dann nahm ich eine Überdosis eines nicht sehr starken pflanzlichen Beruhigungsmittels und konnte noch zwei mickrige, bescheuerte Stunden lang schlafen.
05.04.09
Eishockey-WM, ca. 11. Tag
Es ist das Spiel der letzten Chance zwischen der Schweiz und den USA; der Sieger ist in den Viertelfinals, für den Verlierer ist die WM vorbei. Mittlerweile läuft das letzte Drittel, die Schweiz liegt „nur“ mit einem Tor zurück. Aber ich kann nicht mehr.
Zu gerne hätte ich die Eisgenossen mit meiner bescheidenen Anwesenheit vor dem Fernseher unterstützt, im Bewusstsein, dass ihnen das nicht viel bringt. 40 Spielminuten lang habe ich es auch getan. Aber nun ist Sense. Meine Nerven sind am Ende.
Natürlich spielen sie an dieser WM nicht für schwache Nerven. Jedes Spiel ist knapp, jedes Drittel umkämpft, Tore sind Mangelware in den Spielen der Schweizer. Die Chancenauswertung ist ein Thema für sich.
Aber ich halte zunehmend Fernsehsport nicht mehr aus, beobachte beunruhigende Symptome wie Herzrasen, Nervenflattern, schweissnasse Hände: Anzeichen für ein zerrüttetes, löchriges Nervenkostüm. Dasselbe bei Fussball-Länderspielen. Nach dem letzten Eishockey-Länderspiel, das ich geschaut habe – Schweiz gegen Lettland, 1:2 nach Penaltyschiessen – konnte ich bis weit nach Mitternacht nicht einschlafen, weil der Adrenalinspiegel zu hoch war. Was ist nur los, frag ich mich. Das kannte ich zuletzt vor Jahren bei Horrorfilmen, die ich seitdem nicht mehr schaue. Sie vermisse ich nicht. Doch nun soll ich auch noch auf den Fernseh-Sport verzichten? Oder darf nur noch Marathon und Dreisprung gucken? Oder – oh graus – muss ich wirklich noch anfangen, selber AKTIV Sport zu treiben?
Mittlerweile ist das Spiel wohl zu Ende. Die Schweiz ist möglicherweise draussen, oder auch nicht. Ich weiss es nicht. Ich kann nicht mehr hinsehen.
04.30.09
Lords of War, Update
Der Film, der mich in diesem Jahr am meisten beeindruckt hat, ist Lord of War mit Nicholas Cage in der Hauptrolle, der den Aufstieg eines Waffenhändlers nach dem Ende des Kalten Krieges nachzeichnet. Auch wenn von manchen kritisiert wird, er sei in den Details nicht ganz akkurat – mir ging er unter die Haut. Nicht zuletzt eine Text-Einblendung ganz am Ende: Die USA, Russland, Grossbritannien und Frankreich seien die grössten Waffenhändler der Welt – und zugleich ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat. (Dazu gibt kommen noch zehn wechselnde Mitglieder). Das ist notabene das Gremium, das von der UNO mit der „Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“ betraut ist und Resolutionen gegen „verbrecherische“ Staaten beschliessen kann.
Laut einem Zeitungsbericht sind immer noch drei der erwähnten Nationen unter den Big Playern des Waffenhandels. Die USA und Russland bestreiten den Löwenanteil, zusammen verkauften sie 2004-2008 Rüstungsgüter für 65 Bio. Dollar. Neu auf Platz 3 ist Deutschland, das sich auch um einen Platz unter den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates bemüht. Das Hauptkriterium erfüllen sie ja nun.
Und wohin wird exportiert? Import-Weltmeister ist China, daneben sei vor allem der Nahe Osten ein Wachstumsmarkt (Israel, Ägypten, Arabische Emirate).
04.28.09
Peinlichkeiten
Ich weiss nicht, ob es sich um eine besonders raffinierte PR-Offensive handelt, deren Genialität ich nicht verstehe, oder wirklich nur um Ungeschick. Aber zur Zeit macht die Schweiz vor allem durch Pleiten und Peinlichkeiten von sich reden (aber hey, immerhin sind wir in den Schlagzeilen).
Zuerst hat ein Schweizer Minister in einer Überreaktion auf Herrn Steinbrücks etwas saloppe Aussagen im Steuerstreit den Dienstwagen gewechselt (statt deutscher neu französischer Provenienz). Im Rückblick wirkt das ganz schön hysterisch.
Dann traf Herr Bundespräsident Merz in Genf den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Ein heikler diplomatischer Drahtseilakt, dessen war man sich in Herrn Merz’ Umfeld bewusst. Man wollte darum mit Fotos sehr zurückhaltend sein, kein Händedruck oder ähnliches sollte zu sehen sein. Durch eine unerklärliche Panne (oder war es doch ein PR-Gag?) gelangte dann z.B. dieses Foto der scherzenden Herren an die Öffentlichkeit. Es hiess danach, die iranischen Fotografen seien in den Saal gedrängt, bevor man die Türe habe schliessen können… Wie nun bekannt ist, hat Herr Ahmadinedschad auch Herrn Merz’ Weisung, sich bitte an der Durban II-Konferenz gut zu benehmen, nicht wirklich befolgt
Und gestern nun der Höhepunkt. Während weltweit über eine mögliche Schweinegrippe-Pandemie berichtet wird, transportiert ein Schweizer Wissenschaftler ein paar Gläser mit Schweinegrippe-Viren mit sich im Zug. Wahrscheinlich hätte niemand etwas davon bemerkt, wenn der Behälter nicht kurz vor Fribourg explodiert wäre. Der Forscher traf „erste Massnahmen“. Wie man sich wohl fühlt, wenn man dem Schaffner sagen muss: „Mir ist da ein kleines Malheur passiert, ich habe gerade einige Hundert Viren freigesetzt“? Die Behörden griffen dann immerhin nach gut 45 min ein und stoppten den Zug. Ja, es waren für den Menschen fast ungefährliche Viren „rein porzinen Ursprungs“. Diesmal. Brrr, man möchte gar nicht wissen, was sonst noch so in den Passagierabteilen der SBB transportiert wird, Plutonium im Handtäschchen oder so.
Im Moment ist es nicht einfach, stolz auf die Schweiz zu sein.
Gedanken-Recycling
„Was bringt’s“, fragte ich mich neulich in einem leisen Anflug von Selbstkritik, „was bringt es, bloggend Zeit vor dem Computer zu verbringen und meine Gedanken der Mitwelt zuzumuten?“
Den Lesern äuä (=bern-dt. für „vermutlich“) nicht viel, bestenfalls ein klein wenig Unterhaltung. Dem Schreibenden? Ist es mehr als ein Gedanken-Recycling, eine Zweitverwertung von Gedanken?
Ja, je nach Thema durchaus, stelle ich fest, selber etwas überrascht. Das Bloggen regt mich an, meine Gedanken fertigzudenken und in eine halbwegs logische Reihenfolge zu bringen. Bloggen ist zudem eine gewisse Motivation, mit offenen Augen durch den Tag zu gehen und Bemerkenswertes auch wirklich zu bemerken. Und natürlich ist es ein gutes Training für meine noch unterentwickelten schreiberischen Fertigkeiten.
04.26.09
Eishockey-WM, 3. Tag
Bisher war’s noch nicht der ganz grosse Genuss, was die Schweizer Nati gezeigt hat. Frankreich und Deutschland waren die erwartet bzw. unerwartet schwierigen Gegner. Aber nun sind fünf Punkte im Trockenen, ich kann wieder ruhig schlafen, und es gab sogar das eine oder andere sehr schöne Tor, wie das 1:0 gegen Frankreich.
In der Berner Innenstadt war gestern nicht viel von der Eishockey-WM zu bemerken, abgesehen vom Bundesplatz, wo eine Folge von kurzen Gratis-Konzerten über die Bühne ging. Eishockey-Fans sah ich wenige, am ehesten Deutsche und Österreicher. Was ich sehr vermisste, waren die indischen Fans. Ich weiss nicht, wo die geblieben sind. Auf dem Waisenhausplatz sahen wir dann zwar eine Gruppe Inder, aber das waren keine Hockey-Fans, sondern eine Filmcrew, die versuchte, eine Tanzszene abzudrehen. Versuchte, denn der Hauptdarsteller hatte so seine Mühe mit der Choreographie. Trotz etlicher Versuche wollte es ihm nicht so recht gelingen, die machohafte Szene überzeugend hinzulegen, die irgendwie an ein menschliches Balzritual erinnerte: Er sollte dabei um seine filmische Herzdame herumhüpfen, während er sich um die eigene Achse drehte. Er war eher der Typus schlaksiger Student, und zudem lag ihm der Beat (eine Art HipHop) definitiv nicht im Blut, er hüpfte meistens zwei Zehntelsekunden neben dem Takt. Ob sie am Ende die Szene im Kasten hatten, weiss ich nicht. Denn wir bekamen Hunger und machten uns auf Beutezug, wobei wir zwei Elsässer Flammenkuchen erbeuteten.