08.11.09

Politinfo von SF1, oder „Wie manipuliere ich meine Zuschauer“

Veröffentlicht in Abends Gewitter möglich, Kommunikazion, Mediensplitter um 06:59 von elgreco33

Im Schweizer Parlament wird ein Gesetz beraten, das bei den Steuern Abzüge von Fremdbetreuungskosten von CHF 12′000 ermöglichen soll. Familien, in denen ein Elternteil zuhause als „Hausmann“ oder „Familienmanagerin“ arbeitet, sollen aber nach dem Willen der Mehrheit im Parlament keine Betreuungsabzüge geltend machen können.

Am 10. August nahm sich das Infomagazin 10 vor 10 des Schweizer Fernsehens dieses Themas an.  Zur Veranschaulichung wurden die Zuschauer mit zwei Damen bekanntgemacht: Frau A aus Zürich, zwei Söhne, Geschäftsfrau und Mutter,  und Frau B, die im Kanton Schwyz wohnt, zwei oder drei Kinder (sah man nur kurz), vollzeitlich Hausfrau und Mutter.  Die Ausgangslage war zunächst fair: Beide wurden in ihrem Umfeld porträtiert, beide konnten ungefähr gleich lang darlegen, warum sie das jeweilige Lebens- und Arbeitsmodell gewählt hatten, und was sie von der neuen Gesetzesvorlage hielten. Wenn das alles gewesen wäre, wäre es in bester Ordnung. Doch als ich mir den Beitrag nachher nochmals durch den Kopf gehen liess, wurde ich wütend ob dem, was von SF 1 hier gespielt wurde.

Denn die Autoren konstruierten einen Gegensatz (böse „Haustante“ gegen gute berufstätige Mutter), wo von der Sache her gar keiner sein müsste. Die Antworten wurden so geschnitten, dass Frau B als neidische Anklägerin wirkte, worauf Frau A ihren berechtigten Anspruch verteidigen konnte/musste. Dabei bekämpfte Frau B die Idee dieses Steuerabzuges keineswegs; alles, was sie forderte, ist steuerliche Gleichberechtigung für die Familien, die das klassische Rollenmodell leben.  Eine Forderung, die ich für berechtigt halte, die aber in der Politik nur von der rechtsbürgerlichen SVP vertreten wird.

Um den Effekt noch zu verstärken, wurde ausführlich der harmonische Familienalltag von Frau A geschildert: gemütlich beim Morgenessen und Zähneputzen, beim gemächlichen Aufbruch, wie Frau A liebevoll ihren Sohn in der Kita verabschiedet – alles mit warmherzigen, verständnisvollen Worten kommentiert. Dieser suggestive Hintergrund wurde bei Frau B fast gänzlich weggelassen, bis auf eine Szene mit den Kindern am Anfang und eine Szene „Frau B beim Apfelkuchen-Backen“ mittendrin. Es ist das erste Mal, dass mir wirklich bewusst wurde, wie manipulativ Informations-Fernsehen sein kann.

Wie kommt es, dass das traditionelle Familien-Arbeitsmodell von einer breiten Lobby aus Politik und Medien madig und finanziell unattraktiv gemacht wird? Was ist so falsch daran? Wäre es nicht richtiger, wenn die Rahmenbedingungen so gestaltet würden, dass Familien möglichst selber entscheiden können, wie sie es mit der Berufstätigkeit halten wollen, anstatt durch staatliche, finanzielle Lenkung in die eine Richtung getrieben zu werden?

05.08.09

Megatrend Langeweile

Veröffentlicht in Abends Gewitter möglich tagged , , , , , um 09:38 von elgreco33

Manchmal habe ich den Verdacht, dass nicht die Vogel- oder Schweinegrippe eine Gefahr für unsere Zeit ist, sondern eine grassierende Langeweile. Sie schleicht sich auf vielen Weg ein, und hat sie einen erst einmal im Griff, ist es schwierig zu entrinnen. Es kann ja fast nicht anders sein: 

Die Arbeitswoche ist durch Routine geprägt. Die Abläufe im Büro sind zwecks „Qualitätssicherung“ bis ins Kleinste festgelegt. Allein, mit der Zeit gewöhnt man sich an diesen Käfig. Wenigstens haben wir am Wochenende unzählig viele Optionen – wählen trotzdem immer das Gleiche, und selten das, was uns anregen würde. Die Unterhaltungsindustrie ist genau das: Eine Industrie, die Unterhaltung am Laufmeter nach vorhersagbarem Schema produziert. 

Und die Jugendlichen? Eigentlich sind sie die Hüter des unbändigen Lebens und der Grenzüberschreitung, Quellen wilder Ideen. Aber auch ihnen machen wir das Leben schwer mit dem Phänomen des „Konsumerismus“, wie es im Englischen heisst, also der völlig übersteigerten Bedeutung, die Konsum jeder Art bei uns hat. Einer der schlimmsten Auswüchse davon, finde ich, ist die sofortige Kommerzialisierung jeder halbwegs neuen, originellen Idee, die im Umfeld von Jugendszenen entsteht. 

Was könnte man dagegen tun? Tief drin glaube ich, dass der Glaube an den christlichen Gott ein Mittel gegen die Langeweile sein könnte, ein Hort entfesselter Kreativität. Leider sind viele Gemeinden und Christen mindestens ebenso langweilig wie die Welt drumherum.

05.01.09

Glas

Veröffentlicht in Abends Gewitter möglich tagged , , , , um 09:31 von elgreco33

95% der gebrauchten Glasflaschen werden bei uns recycelt. Eine tolle Quote, kein Zweifel. Und trotzdem fallen die übrigen 5% für mich störend ins Gewicht, oder besser, der Bruchteil dieser 5%, der in Scherben am Strassenrand und auf Gehsteigen endet. Denn die Pneus unserer Fahrräder und Kinderwagen sind leider nicht darauf ausgelegt, diese Scherben unbeschadet zu überfahren, und so schlimm wie diesen Frühling war’s mit den Scherben noch nie. 3x Schlauchreparatur in zwei Monaten nervt. Also eine dringende Bitte, liebe Freiluft-Trinker, entsorgt doch bitte die leeren Flaschen im nächsten Abfalleimer. Und wenn das wegen der Alkoholpromille nicht mehr möglich ist, legt sie wenigstens sachte zu Boden. Auch wenn’s natürlich viel lustiger ist, sie auf dem Asphalt zu zerdeppern, das ist mir klar. Merci bestens.