22. April 2010
Lesen (3): Einsam oder gemeinsam
Dass der Akt des Lesens sich vorzugsweise allein in einem ruhigen Zimmer oder doch in einem leidlich geräuscharmen Zugsabteil oder Café vollzieht, ist eines der Dinge, die vorerst gleich geblieben sind wie im 20. Jahrhundert. Relativ neu und durchaus positiv ist, dass man seine Begeisterung oder seinen Frust über eine Lektüre nicht mehr für sich behalten muss.
Der geneigte Leser kann sich online über seine Leseerfahrungen austauschen, Rezensionen schreiben und dort sogar seine Bücherbestände verwalten und sich aufgrund bisheriger Vorlieben Bücherempfehlungen holen, alles im selben Portal, wo sie oder er mit etwas Glück auch Bücherfans mit dem gleichen Geschmack findet. Diese ungemein praktischen Communities heissen www.lovelybooks.de oder www.librarything.de. Lovelybooks ist gänzlich kostenfrei, Librarything bis zu einem Bücherbestand von 200.
Eine feine Sache. Ich bin bei den genannten Communities seit etwas über einem Jahr Mitglied und bereue es nicht. Einzig die Erwartung ans Gemeinschaftserlebnis darf man nicht allzu hoch schrauben: Wenn man nicht selber sehr aktiv ist, sind die “Begegnungen” nach meinen Erfahrungen recht selten und flüchtig. Die Hemmungen, auf Leute zuzugehen – für einen schüchternen Menschen ein grosses Hindernis - sind online zwar tiefer, aber nicht verschwunden.