08.11.09
Politinfo von SF1, oder „Wie manipuliere ich meine Zuschauer“
Im Schweizer Parlament wird ein Gesetz beraten, das bei den Steuern Abzüge von Fremdbetreuungskosten von CHF 12′000 ermöglichen soll. Familien, in denen ein Elternteil zuhause als „Hausmann“ oder „Familienmanagerin“ arbeitet, sollen aber nach dem Willen der Mehrheit im Parlament keine Betreuungsabzüge geltend machen können.
Am 10. August nahm sich das Infomagazin 10 vor 10 des Schweizer Fernsehens dieses Themas an. Zur Veranschaulichung wurden die Zuschauer mit zwei Damen bekanntgemacht: Frau A aus Zürich, zwei Söhne, Geschäftsfrau und Mutter, und Frau B, die im Kanton Schwyz wohnt, zwei oder drei Kinder (sah man nur kurz), vollzeitlich Hausfrau und Mutter. Die Ausgangslage war zunächst fair: Beide wurden in ihrem Umfeld porträtiert, beide konnten ungefähr gleich lang darlegen, warum sie das jeweilige Lebens- und Arbeitsmodell gewählt hatten, und was sie von der neuen Gesetzesvorlage hielten. Wenn das alles gewesen wäre, wäre es in bester Ordnung. Doch als ich mir den Beitrag nachher nochmals durch den Kopf gehen liess, wurde ich wütend ob dem, was von SF 1 hier gespielt wurde.
Denn die Autoren konstruierten einen Gegensatz (böse „Haustante“ gegen gute berufstätige Mutter), wo von der Sache her gar keiner sein müsste. Die Antworten wurden so geschnitten, dass Frau B als neidische Anklägerin wirkte, worauf Frau A ihren berechtigten Anspruch verteidigen konnte/musste. Dabei bekämpfte Frau B die Idee dieses Steuerabzuges keineswegs; alles, was sie forderte, ist steuerliche Gleichberechtigung für die Familien, die das klassische Rollenmodell leben. Eine Forderung, die ich für berechtigt halte, die aber in der Politik nur von der rechtsbürgerlichen SVP vertreten wird.
Um den Effekt noch zu verstärken, wurde ausführlich der harmonische Familienalltag von Frau A geschildert: gemütlich beim Morgenessen und Zähneputzen, beim gemächlichen Aufbruch, wie Frau A liebevoll ihren Sohn in der Kita verabschiedet – alles mit warmherzigen, verständnisvollen Worten kommentiert. Dieser suggestive Hintergrund wurde bei Frau B fast gänzlich weggelassen, bis auf eine Szene mit den Kindern am Anfang und eine Szene „Frau B beim Apfelkuchen-Backen“ mittendrin. Es ist das erste Mal, dass mir wirklich bewusst wurde, wie manipulativ Informations-Fernsehen sein kann.
Wie kommt es, dass das traditionelle Familien-Arbeitsmodell von einer breiten Lobby aus Politik und Medien madig und finanziell unattraktiv gemacht wird? Was ist so falsch daran? Wäre es nicht richtiger, wenn die Rahmenbedingungen so gestaltet würden, dass Familien möglichst selber entscheiden können, wie sie es mit der Berufstätigkeit halten wollen, anstatt durch staatliche, finanzielle Lenkung in die eine Richtung getrieben zu werden?