05.12.09

Benedetto auf Reisen

Veröffentlicht in Glaubenssachen tagged , , , , um 06:12 von elgreco33

Der Papst ist wieder einmal auf einer viel beachteten Reise in den Nahen Osten. Reformierter Gedankensprung: Wer ist eigentlich der höchste Reformierte? Das zu bestimmen ist nicht ganz einfach. Das höchste Gremium der Reformierten ist der Reformierte Weltbund (RWB), der Kirchen in über 100 Ländern mit rund 200 Mio. Gläubigen repräsentiert. Wie es sich in reformierter Umgebung gehört, ist der Weltbund basisdemokratisch organisiert, die Delegierten der Generalversammlung fassen wichtige Beschlüsse. Das ist vermutlich eine Stärke in Sachen Entscheidungsfindung, aber medientechnisch auch ein Problem. Daneben und dazwischen gibt es noch das Exekutivkomitee. Ich nehme mal an, dass dessen Präsident, Dr. Clifton Kirkpatrick, den höchsten Posten der reformierten Welt bekleidet, so klar geht das aus der Website nicht hervor. Mich interessierte, was eine vergleichende Suche in unserem kollektiven Bewusstsein (Google) ergibt. Hier das Resultat: 13′600 Treffer für Herrn Kirkpatrick, 18′320′000 für Benedikt oder Benedetto oder Benedict XVI., der damit mehr als 1000mal öfter vorkommt. Kirkpatrick hat immerhin auch 136 Fans auf Facebook (Stand 11. Mai).

 

Ein Beleg für das, was wir alle wissen: Die Reformierten sind in der Öffentlichkeit praktisch nicht präsent. Fast gleich sieht die Situation nämlich in den Landes- und Kantonalkirchen aus. Der Journalist Urs Meier schrieb im NZZ Folio 6/01 über die „Repräsentanten“ der Reformierten: „Das sind demokratisch gewählte Amtspersonen wie in der Politik, und sie denken, reden und verhalten sich ein wenig wie Regierungs- und Bundesräte, nämlich mit Rücksicht auf die Rechenschaft, die sie ihren kirchlichen Parlamenten schuldig sind. Sie äussern sich umsichtig, sind so repräsentativ, wie bei den Reformierten eben möglich, und – bedingt durch ihre Funktion – meist ein bisschen langweilig. Das ist nicht, was die Medien sich wünschen.“

Der Vorschlag, in der Schweiz wenigstens einen Bischof zu wählen, schaffte es nur zum Aprilscherz in der Reformierten Presse. Man mag also den Katholiken vorwerfen, sie hätten veraltete Strukturen, die des 21. Jahrhunderts unwürdig seien, doch punkto medialer Wirkung haben sie deutlich die Nase vorn.

Aber zurück zum Papst. Der gute Mann wirkt ja manchmal ein wenig schusselig im Umgang mit den Medien. Immer wieder unterlaufen ihm böse Ausrutscher. Dabei finde ich aber bemerkenswert, dass Benedikt XVI zwar immer wieder schlaue, bedenkenswerte Dinge sagt (z.B. seine Reden in Afrika – siehe Post – oder die Enzyklika Spe Salvi), diese aber kaum bemerkt oder bestenfalls kurz gewürdigt werden, oder einfacher gesagt: Es interessiert kein Schwein. (Nein, das ist keine Pointe).

Tritt er aber mal sprechenderweise in ein Fettnäpfchen, empört sich die ganze Welt, und der Bischof von Rom erscheint auf unzähligen Titelseiten. Ist vieleicht Benedikt XVI. gar kein naiver alter Mann, sondern vielmehr ein ausgefuchster Medienprofi?