05.04.09
Eishockey-WM, ca. 11. Tag
Es ist das Spiel der letzten Chance zwischen der Schweiz und den USA; der Sieger ist in den Viertelfinals, für den Verlierer ist die WM vorbei. Mittlerweile läuft das letzte Drittel, die Schweiz liegt „nur“ mit einem Tor zurück. Aber ich kann nicht mehr.
Zu gerne hätte ich die Eisgenossen mit meiner bescheidenen Anwesenheit vor dem Fernseher unterstützt, im Bewusstsein, dass ihnen das nicht viel bringt. 40 Spielminuten lang habe ich es auch getan. Aber nun ist Sense. Meine Nerven sind am Ende.
Natürlich spielen sie an dieser WM nicht für schwache Nerven. Jedes Spiel ist knapp, jedes Drittel umkämpft, Tore sind Mangelware in den Spielen der Schweizer. Die Chancenauswertung ist ein Thema für sich.
Aber ich halte zunehmend Fernsehsport nicht mehr aus, beobachte beunruhigende Symptome wie Herzrasen, Nervenflattern, schweissnasse Hände: Anzeichen für ein zerrüttetes, löchriges Nervenkostüm. Dasselbe bei Fussball-Länderspielen. Nach dem letzten Eishockey-Länderspiel, das ich geschaut habe – Schweiz gegen Lettland, 1:2 nach Penaltyschiessen – konnte ich bis weit nach Mitternacht nicht einschlafen, weil der Adrenalinspiegel zu hoch war. Was ist nur los, frag ich mich. Das kannte ich zuletzt vor Jahren bei Horrorfilmen, die ich seitdem nicht mehr schaue. Sie vermisse ich nicht. Doch nun soll ich auch noch auf den Fernseh-Sport verzichten? Oder darf nur noch Marathon und Dreisprung gucken? Oder – oh graus – muss ich wirklich noch anfangen, selber AKTIV Sport zu treiben?
Mittlerweile ist das Spiel wohl zu Ende. Die Schweiz ist möglicherweise draussen, oder auch nicht. Ich weiss es nicht. Ich kann nicht mehr hinsehen.